Rede zum Neujahrsempfang 2026

 

„Gemeinsam Stadt sein“
Neujahrsempfang der Stadt Olching am 16. Januar 2026
Rede von Bürgermeister Andreas Magg

Es gilt das gesprochene Wort!

 

Verehrte Gäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

schön, dass Sie alle gekommen sind. Persönlich, wie auch im Namen des Stadtrates, darf ich Sie herzlich Willkommen heißen und Ihnen allen ein erfolgreiches, gesundes und erfüllendes Neues Jahr wünschen.

Gestatten Sie mir zu Beginn, einige Gäste unter Ihnen persönlich zu begrüßen. Gerne sparen Sie sich Ihren Applaus bis zum Ende der Begrüßungen auf. Vielen Dank.

Ich freue mich sehr, als Vertreter der Kirchen Herrn Pfarrer Steindlmüller vom katholischen Pfarrverband Esting/Olching und von der evangelischen Gemeinde Herrn Pfarrer Krauss begrüßen zu dürfen. Schön, dass Sie beide da sind und schön, dass sich die Stadt bei den vielen Gelegenheiten, wo wir uns über kirchlichen Beistand sehr freuen, auf Ihr Mitwirken verlassen können.

Ich freue mich, dass uns Landrat Thomas Karmasin in diesem Jahr wieder beehrt.

Ich begrüße ganz herzlich

  • unsere Olchinger Kreisrätin Christina Claus
  • meinen Stellvertreter, den 2. Bürgermeister, Maximilian Gigl, und die 3. Bürgermeisterin, Dr. Ingrid Jaschke,
  • Herrn Altbürgermeister Zachmann,
  • sowie alle weiteren Damen und Herren des Olchinger Stadtrates, die heute anwesend sind. Lieber Hans Bieniek dir von dieser Stelle aus, alles Gute zum Geburtstag!


Ich freue mich über die Anwesenheit

  • des Dienststellenleiters der Polizei Olching, Herrn Nist,
     
  • sowie von Herrn Peter Rogalski und Robert Schuhbauer, unsere Stiftungsvorstände bei der Stadtstiftung Olching und von Frau Sabine Ratberger, Direktorin des Olchinger Gymnasiums sowie ab 1. Mai 2026 neues ehrenamtliches Stiftungsratsmitglied.
     
  • Ein herzliches Willkommen dem Kinderprinzenpaar der Olchinger Tanzfreunde Emelie I. und Mio I.,
  • sowie dem Prinzenpaar der FGO Lena I. und Timo I.
     
  • Und nun natürlich Ihnen allen ein herzliches Willkommen, den Vereinsvertreterinnen und -vertretern, 
    und für Ihre Arbeit, Ihr Engagement und Ihr Herzblut, von dem letztlich ganz Olching profitiert, schon jetzt ein großes Dankeschön! Schön, dass so viele von Ihnen heute Abend gekommen sind.
     
  • Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle Herrn Jannik Schröder vom TSV Geiselbullach, der sich maßgeblich eingebracht hat, dass das Jahrhundertspiel des TSV Geiselbullach gegen 1860 München in der Geiselbullacher Fussballarena hat stattfinden können und so hervorragend abgelaufen ist, bis auf das Spielergebnis. 
     
  • Herzlicher Dank an die Flötistin Frau Tatiana Flickinger, für ihre musikalische Umrahmung heute Abend und für ihr tolles Engagement als künstlerische Leitung von Eleven-Eleven Musikkultur e.V.
     
  • Auch aus der Unternehmerwelt sind eine Reihe von Gästen anwesend. Stellvertretend begrüße ich Herrn Niedermayr, dessen Hofladen 2025 vom Stadtmarketing Olching mit der Olchinger Unternehmensauszeichnung bedacht wurde. Herzlichen Glückwunsch nochmals!

Zum Schluss heiße ich natürlich ganz besonders herzlich auch alle anderen geschätzten Gäste willkommen, die ich nicht namentlich begrüßen konnte. Wir freuen uns sehr, dass Sie alle heute bei uns sind.   

Hoch verehrte Gäste, 
meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ (Hermann Hesse)

Siebzehn Mal habe ich nun an dieser Stelle als Ihr Gastgeber vor Ihnen stehen dürfen, um den Beginn des neuen Jahres mit Ihnen gemeinsam zu begehen. Siebzehn Mal habe ich versucht, Worte zu finden für das, was war, und für das, was kommen mag.

Heute liegt in diesem Anfang – dem Beginn eines neuen Jahres – zugleich ein Abschied.
Es ist nach 18 Jahren mein letzter Neujahrsempfang als Erster Bürgermeister meiner Heimatstadt. Am 30. April endet meine Amtszeit.
Und wenn man das jetzt so ausspricht, dann merkt man erst, wie groß so ein kurzer Satz für einen ganz persönlich ist. 
Er ist groß, weil er ein prägendes, ein sehr bedeutendes Stück meines Lebens betrifft und letztlich auch abschließt.
Und er ist groß, weil in ihm auch Wehmut steckt – aber vor allem Dankbarkeit!

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir leben in einer Zeit beispielloser Veränderungen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Welt fundamental gewandelt – wohl schneller und tiefgreifender als in jedem anderen Abschnitt der Menschheitsgeschichte.

Als ich im März 2008 mein Amt antreten durfte, war die Welt noch eine andere. Georg W. Bush war Präsident der USA und wir dachten schlimmer kann es kaum kommen – von Donald Trump kannten wir in Europa damals höchstens den Trump-Tower in New York.

Die globale Finanzkrise erschütterte die Märkte, Lehman Brothers war gerade kollabiert. Von Smartphones sprach noch kaum jemand. Das iPhone feierte gerade seinen ersten Geburtstag. Facebook übrigens steckte in den Kinderschuhen. Instagram gab es noch gar nicht. Wer von Ihnen erinnert sich noch an StudiVZ und Lokalisten?

Niemand konnte damals ahnen, dass ein kleines Virus aus der chinesischen Stadt Wuhan die gesamte Welt für Jahre im wahrsten Sinne des Wortes in Atem halten würde.

Niemand hätte gedacht, dass Krieg wieder nach Europa zurückkehrt – nach fast 80 Jahren Frieden. 
Niemand hatte auf dem Radar, dass Millionen Menschen auf der Flucht sein würden – aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine.

Kaum einer rechnete damit, dass der Klimawandel nicht mehr ferne Zukunftsmusik, sondern so schnell bittere, spürbare Gegenwart ist.

 

Die Welt, in der wir leben, hat sich in einem atemberaubenden Tempo verändert. Und mit ihr die Anforderungen an uns alle – an die Politik, an die Gesellschaft, an jeden Einzelnen von uns.
Die Frage, die ich mir in diesen Tagen immer wieder stelle ist, kann Politik hier in Europa, in seiner bekannten und ich meine doch weitestgehend bewährten Art und Weise so noch funktionieren?

In einer Welt, in der ihr wohl mächtigster Mann, am Vormittag beim Golf-Spielen völlig losgelöst, weltverändernde Entscheidungen trifft und diese gleich direkt, ungeprüft und ungefiltert verkündet. Der jegliche Wege der althergebrachten Diplomatie, der Abwägungen, konsensualen Abstimmungen und letztlich Entscheidungsfindungen in Bruchteilen von Sekunden um- oder besser überfährt.

Können wir uns in diesem Spannungsfeld noch erlauben, dass es Arbeitskreise, Landesgruppenbesprechungen, Fraktions-Fachausschüsse, Parteivorstandssitzungen, Fraktionssitzungen, Koalitionsausschussbesprechungen, Parlamentsausschüsse und letztlich Kabinettssitzungen, Bundestags- und Bundesratslesungen braucht, bis wir agieren oder wenigsten reagieren, auf das was gerade passiert. Von den weiteren Wegen auf europäischer Ebene übrigens ganz zu schweigen. Haben wir diese Zeit noch?

 

Verstehen Sie mich bitte jetzt nicht falsch, das soll keine Kritik an unserem politischen System und den demokratischen Entscheidungswegen und keines Falls ein Plädoyer für sogenannte Alternativen sein, die keine sind. Es ist einfach eine Frage, die mich umtreibt:

Was können, oder müssen wir tun, damit wir als Europäer schneller und vor allem schlagkräftiger werden?

Übrigens gilt das auch ein Stückweit in der kommunalen Welt. Viele Wege sind zu lang, zu verwinkelt und mit zu vielen Fallstricken versehen. Die gesetzlichen Regularien oft überbordend. Und die Wahrnehmung beim Bürger? Es geht vieles nur schleppend voran!

Da müssen wir ran, wenn wir in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben wollen. 
Das wir es grundsätzlich sind, davon bin genauso überzeugt, wie davon, dass wir alle dazu neigen uns schlechter zu reden oder zu schreiben, als wir wirklich sind. Damit vor allem sollten wir zu allererst aufhören, in der großen, wie in der vermeintlich kleinen Politik!
Seien wir also Vorbilder in Zuversicht und Optimismus, haben und machen wir Lust auf Zukunft!

     

Hierbei kommt der in Anführungsstrichen kleinen, kommunalen Politik große Bedeutung zu.
Denn Kommunalpolitik ist die Ebene, auf der der Staat besonders sichtbar wird. Greifbar. Spürbar. Ansprechbar. Korrigierbar. 
Hier entscheidet sich, ob Menschen Politik als etwas positiv Gestaltendes erleben, das für sie da und ganz nah ist – oder als etwas, das über ihnen unerreichbar zu schweben scheint.
Ich habe letztes Jahr erwähnt, dass wir Politiker – ehrenamtlich wie hauptamtlich –Vertrauen zurückgewinnen müssen. Und ich wiederhole das heute: Nicht mit Parolen. Nicht mit einfachen Antworten. Sondern mit Verlässlichkeit, Sachlichkeit, gegenseitigem Respekt, Zuversicht und dem Mut, ja zu sagen, zu dem was möglich ist, aber auch ein klares Nein verständlich zu vermitteln. Aber vor allem Entscheidungen zu treffen und umzusetzen!

Als ich mich auf diesen – für mich doch sehr besonderen - Abend vorbereitet habe, tat ich etwas, was ich sonst vermied: Ich habe etwas tiefer in der Vergangenheit gekramt. Ich habe alle meine 17 Neujahrsreden noch einmal gelesen.
Ja, manche waren in der Tat ganz schön lang.
Es war aber vor allem ein – wenn ich das Salopp sagen darf, ein wilder Ritt durch die Zeit. Und wenn Sie erlauben, möchte ich Sie alle noch ein letztes Mal gemeinsam ein Stück auf diese Reise mitnehmen:

Wir haben uns gemeinsam Sorgen um die damalige Weltfinanzkrise gemacht, über den prophezeiten Weltuntergang der Mayas für 2012 gewitzelt und uns gefragt, wie man wohl ernsthaft Politik in 140 Twitter-Zeichen machen kann.

Wir haben „Toskana-Villen“ und das legendäre grüne Haus am Nöscherplatz zum Thema gemacht und uns vielleicht sogar so darüber aufgeregt, als ging es um eine neue Weltordnung. 
Wir haben über unser Fairtrade-Maskottchen namens „Olifair“ geschmunzelt und uns aufgrund unserer neuerschienenen Chronik daran erinnert, dass sich ein Olchinger Pfarrer seinerzeit über den Dreikant an den Frauen und die Pestbeulen der Nacktkultur echauffierte, als an Wochenenden die Münchner zu tausenden an den Amperstrand pilgerten.  

Wir haben gemeinsam gestaunt, als unser Rathaus zum fiktiven „Hindafing“ wurde und uns im Fernsehen gezeigt hat, wie Kommunalpolitik besser nicht laufen sollte. Unser Sitzungssaal, einige Büros und sogar die ehemaligen Gefängniszellen wurden zur Kulisse für die Geschichte des größenwahnsinnigen und berauschten Provinzbürgermeisters Alfons Zischl, gespielt von Maximilian Brückner.

Wir haben uns mit dem jungen Olchinger Nico Liersch gefreut, als er mit der „Bücherdiebin“ Hollywood-Luft schnupperte.
Der Film „Die Bücherdiebin" brachte Olching und unseren Nico – pardon, im Film hieß es „Molching" und er Rudi – in die Kinos der Welt.

Gemeinsam haben wir Latein geübt mit dem Satz „Extra Bavariam non est vita et si est vita non est ita."
„Außerhalb Bayerns ist kein Leben, und wenn es ein Leben gibt, dann kein solches."

Anlässlich des G7-Gipfels in Elmau ließ die Bayerische Staatsregierung ein exklusives Buch über Bayern als Gastgeschenk für die Staats- und Regierungschefs herstellen. Und auf der letzten Seite, groß und mittig stand dieses Zitat von der Fassade unserer Estinger Schlosskapelle:

Esting lag quasi in den Händen der mächtigsten Menschen der Welt. Nicht schlecht, oder?

Und wir haben gelernt, dass unsere Stadtgeschichte sogar Stoff für Agententhriller bietet, als Altbürgermeister Ewald Zachmann mir die unfassbare Geschichte vom Olchinger Stasi-„Schattenbürgermeister“ erzählte, der ausgerechnet bei ihm Jahre später juristischen Beistand suchte.

Ich konnte Ihnen berichten, wie wir als Host-Town unsere Sportlerinnen und Sportler von St. Kitts and Nevis bei der Eröffnungsfeier der Special-Olympics World Games ins Olympiastadion Berlin begleiten durften. 
Wir bestaunten die vielen Paralympischen Silber- und Bronzemedaillen im Radsport von der selbsternannten „Killer-Biene“ Denise Schindler. Und freuen uns bis heute über die außergewöhnlich steile Karriere unseres Olchinger Bayern-Stars und Nationalspielers Aleksandar Pavlovic.
Und wir waren beeindruckt, als Herr Baxter uns zum Neujahrsempfang mit seiner unverkennbaren S-Bahn-Ansager Stimme „Next Stop Olching“ begrüßte und Prof. Schopper uns aus der Patsche half, als die Technik beim Prinzenwalzer versagte und er sich spontan an den Flügel setzte und das Prinzenpaar sehr ordentlich zum Schwitzen brachte.

Was all diese Anekdoten zeigen: Olching war und ist nie nur ein beliebiger Ort auf der Landkarte. Olching war und ist immer eine ganz besondere Stadt, voller schöner, unerwarteter, bunter und manchmal skurriler Geschichten und vor allem tollen und vielfältigen Menschen. Olching, liebe Gäste, ist unsere gemeinsame, so unglaublich lebenswerte Heimat.

„Heimat ist Tiefe, nicht Enge.“ Und so habe ich unsere Heimatstadt auch immer erlebt. Und Olching ist noch etwas! 
Olching ist auch ein Gefühl, so wie Herbert Grönemeyer singt: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“

Wenn ich auf die letzten knapp 20 Jahre zurückblicke, dann wäre es gelogen zu sagen: „Es war immer Rückenwind.“ 
Wir hatten auch ordentlich Gegenwind. Und wir haben gelernt, dass Gegenwind nicht nur ein kurzes Wetterphänom ist, sondern durchaus stetig sein kann. Bundespräsident Steinmeier bezeichnete unsere Zeit daher als „rau“.

Da war Corona. Eine Zeit, in der Normalität plötzlich nicht mehr der Normalfall war, sondern – wie ich 2020 vor dem massiven Ausbruch des Virus gesagt hatte – ein Glücksfall. 
Die Corona-Pandemie hat uns allen zugesetzt. Sie hat uns gezeigt, wie fragil und kostbar Gesundheit ist, wie wichtig Zusammenhalt ist. „Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts", schrieb Arthur Schopenhauer vor über 150 Jahren. Wie wahr diese Worte sind, haben wir alle in den Jahren 2020 bis 2022 am eigenen Leib erfahren.

Ich erinnere mich noch genau an die Tage im März 2020, als der erste Lockdown verhängt wurde. Die leeren Straßen. Die geschlossenen Geschäfte. Auch an Angst! Die Unsicherheit, wie es weitergehen würde. Und ich erinnere mich an die unzähligen Krisensitzungen, die nächtlichen Telefonate, die schwierigen Entscheidungen und vor allem an Abstand.
Aber ich erinnere mich auch an etwas anderes: An den unglaublichen Zusammenhalt, den diese Stadt gezeigt hat. 
An die Nachbarn, die füreinander einkaufen gingen. An die Vereine, die kreative Lösungen fanden, um trotz Lockdown Gemeinschaft zu ermöglichen.
Ich erinnere mich noch gut an die Tage des Homeschoolings. Von heute auf morgen mussten Lehrkräfte zu Digitalexperten werden. Eltern wurden zu Hilfslehrern. Kinder mussten zuhause lernen – ohne ihre Klassenkameraden, ohne ihre gewohnten Strukturen.
An die Erzieherinnen und Erzieher, die unter schwierigsten Bedingungen Notbetreuung anboten. 
An unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die das Rathaus am Laufen hielten. Es war eine enorme Belastung für alle Beteiligten.

Aber wir alle haben es gemeistert. Gemeinsam!  

Erinnern Sie sich nun bitte einen Moment lang daran zurück, auch an Ihre persönlichen Erlebnisse und dann schauen Sie sich jetzt bitte kurz im Saal um. 
Wir sind hier. Zusammen. Ohne Abstand, ohne Maske. Wir können uns die Hand geben, wir können – natürlich nur wenn Sie möchten - uns umarmen.

Ein solcher Moment, meine Damen und Herren, ist ein Geschenk. Lassen Sie uns das bitte niemals vergessen!

 

Doch die Pandemie war nicht die einzige Krise, die uns traf.

2013 und 2024 erlebten wir zwei schwere Hochwasser. Der Starzelbach trat über die Ufer. Der Grundwasserstand erreichte Rekordniveaus. Keller liefen voll. Existenzen waren bedroht. Menschen verloren Hab und Gut. 
Doch auch hier zeigte sich: Olching hält zusammen.
Unsere Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Das THW rückte an. Das BRK stand bereit. Unser Bauhof arbeitete Tag und Nacht. Landwirte stellten kostenlos Pumpen, Anhänger und Zugfahrzeuge zur Verfügung.
Nachbarn, die sich seit Jahren nur mal eben auf der Straße gesehen hatten, standen plötzlich gemeinsam im Keller und versuchten zu retten, was zu retten war. Und spontan hatten nichtbetroffene Bürgerinnen und Bürger stundenlang am Bauhof Sandsäcke befüllt.
„Weida mitanand" – so hieß der bewegende Song zugunsten der Hochwasseropfer in Bayern 2013. Und genau das war es, was ich in Olching erleben durfte: Ein Mitanand. Eine Zusammengehörigkeit. Ein echtes Wir-Gefühl.


Die Flüchtlingskrise hat uns gefordert – aber auch gezeigt, was Olching ausmacht.

Als 2015 die erste Flüchtlingswelle unsere Stadt erreichte, standen über 200 Ehrenamtliche bereit, um zu helfen. Wir haben hunderte von Menschen aufgenommen – aus Syrien, Afghanistan, Irak, Sierra Leone, Nigeria, Kongo, Libanon.
Es gab anfangs Skepsis. Es gab Ängste. Es gab auch Ablehnung. Aber es gab auch unglaubliche Hilfsbereitschaft.
Der Helferkreis Asyl organisierte Deutschkurse, Behördengänge, Freizeitaktivitäten. Eine Willkommenskultur entstand. Aus anfänglicher Skepsis wurde gute Nachbarschaft.
Und 2022, als ukrainische Geflüchtete zu uns kamen, bewies Olching erneut Herz und Haltung. 350 Menschen aus der Ukraine leben heute in unserer Stadt – die meisten anfangs bei Privatpersonen untergebracht.

Dann kamen die Energiekrise und die Blackout-Ängste. Die Preise für Strom und Gas explodierten. Die Inflation erreichte Höchststände. Menschen bangten um ihre wirtschaftliche Existenz. Unternehmen kämpften ums Überleben. Gemeinsam haben wir gehandelt und Energie gespart, wo immer möglich. Leuchttürme eingerichtet, für Notfälle, falls das Kommunikationsnetz zusammenbrechen würde. 
Wir haben gleichzeitig zusammen mit unseren Stadtwerken die Energiewende vorangetrieben – mit dem kontinuierlichen Ausbau von Fernwärme, Photovoltaik, erneuerbaren Energien. 
Und wir haben verstanden: Regionalität und Nachhaltigkeit sind nicht nur ökologisch sinnvoll – sie sind auch wirtschaftlich und sicherheitspolitisch geboten.

All das in der Rückschau heute nochmal gebündelt wahrzunehmen bestärkt mich in meiner Gewissheit, dass Olching dann am stärksten ist, wenn wir unserem Motto treu sind: Gemeinsam Stadt sein.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die letzten 18 Jahre waren geprägt von Krisen, von Herausforderungen, von Zumutungen.
Aber sie waren auch geprägt von einem: Von der Bereitschaft der Menschen in dieser Stadt, Verantwortung zu übernehmen.

Der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz sagte in seiner Neujahrsansprache 2023: „Deutschland ist ein starkes Land." Ich möchte ergänzen: Olching ist eine starke Stadt. Und das verdanken wir Ihnen allen, die heute hier im Saal sind und stellvertretend für tausende engagierte Olchingerinnen und Olchinger stehen.

Sie sind die Vorsitzenden unserer Vereine. 
Sie sind die, die Trainingspläne schreiben, oder im feuchten Novembergrau die dreckigen Fußbälle nach dem Bambini-Training zusammensammeln, immer dann, wenn andere längst entspannt auf dem Sofa sitzen. Sie sind die, die Kuchen backen, oder Papierkram erledigen, wenn andere meinen besseres zu tun zu haben.

Sie sind die, die Veranstaltungen organisieren, wenn andere schon lang müde sind. Die, die bei Regen den Würstelstand aufbauen, die in der Hitze Schichten übernehmen, die nachts noch aufräumen und die am nächsten Tag wieder da sind!

Sie sind die, die unsere Jugend fördern, die Älteren nicht vergessen, die Menschen zusammenbringen, die Integration ganz praktisch machen, die aus Nachbarschaft Gemeinschaft machen.

Sie sind die, die unser Gemeinwohl tragen. Oft leise. Oft ohne Bühne. Oft ohne Applaus.

 

Eine Stadt, eine Kommune zeichnen seine vielen engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürger aus, die jede und jeder an seiner Stelle ein kleinerer oder größerer Mosaikstein des Ganzen, der Gemeinschaft bedeuten. 
Kein einziger Stein ist verzichtbar! Das ist das Entscheidende!

Diesen Vergleich habe ich bereits 2010 bei meinem zweiten Neujahrsempfang bemüht – und er hat nichts an seiner Gültigkeit verloren. Im Gegenteil: Er hat im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen.

 

Ich habe es 2019 einmal auszurechnen versucht was Ihr Engagement Wert ist in Euro und Cent, und diese Zahl hat nichts von ihrer Wucht verloren: Ihr gemeinsames ehrenamtliches Engagement in dieser Stadt hat einen rechnerischen Gegenwert von über 15 Millionen Euro. Pro Jahr!

Ich erinnere mich, wie ich damals den Vergleich mit dem Tagesgehalt des Fußballers Franck Ribéry und seinem goldenen Dubai-Steak wagte. Erinnern Sie sich noch?

Meine Damen und Herren, Ihren Einsatz, und das sage ich aus tiefstem Herzen, kann man aber sowieso mit Geld nicht aufwiegen. Er ist unbezahlbar.

„Wer etwas zu kritisieren hat an unserem Land, der soll das tun. Wer aber etwas verändern will, der muss etwas tun.“ Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau hat diesen Satz geprägt.
Sie haben etwas getan. Wieder und wieder. In den Vereinen, in den Institutionen, im Alltag. 

Deshalb herzlichen Dank an Sie alle!

Ich will heute Abend nicht in die Falle tappen, alles in der Retrospektive aufzuzählen. Sie wollen ja auch keine Rede, die klingt wie ein Geschäftsbericht – und Sie wollen ganz sicher ja irgendwann auch noch zum Buffet.

Doch es gibt Momente, die sind so prägend, dass sie in einer „letzten Rede“ einfach vorkommen müssen:

Der größte dieser Momente war für mich – ohne jeden Zweifel – die Stadterhebung.
Der 19. Juni 2011 – ein historischer, ein unvergesslicher Tag: Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann überreichte uns im Volksfestzelt vor fast 2.000 begeisterten Bürgerinnen und Bürgern die Stadterhebungsurkunde.
Ich werde diesen Moment nie vergessen. Die Standing Ovations, als der Minister die Urkunde aushändigte. Die Gänsehaut, als die Hymnen erklangen.

Ich hatte das Gefühl, dass in diesen Stunden die Gräben der Gebietsreform 1978 endgültig zugeschüttet wurden. An jenem Tag waren wir alle eins. Olchinger. Estinger. Geiselbullacher. Graßlfinger. Gemeinsam waren wir Stadt.
Aus der Gemeinde Olching wurde die Stadt Olching. Eine Stadt mit eigenem, einzigartigem Charakter. Eine Stadt mit Profil. Eine Stadt mit Historie und mit ganz viel Zukunft. 
Und ich bin bis heute zutiefst dankbar, dass ich diesen historischen Moment miterleben und mitgestalten durfte.

Welche Themen sind noch besonders erwähnenswert: Woran denken Sie gerade?

Ich denke an die vielen Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten. An moderne Lernorte, an verlässliche Betreuungsangebote, an Räume, in denen Kinder wachsen können.

Ich denke an unsere Büchereien – an Orte, die weit mehr sind als nur voll mit Bücherregalen: Innovative, attraktive Orte der Begegnung, der Weiterbildung, der Teilhabe und einfach nur des Aufhaltens ohne Konsumzwang.

Ich denke an die Entwicklung unserer Stadtmitte. An den Nöscher- und Roßhaupter- und an den Maibaumplatz in Olching und Geiselbullach, an Plätze, die neue Aufenthaltsqualitäten schaffen. Räume, die Identität stiften, die Gemeinschaft ermöglichen, die Heimat spürbar machen und wo man auch mal ordentlich feiern kann.

Ich denke an unsere Stadtwerke als entscheidender Motor für nachhaltige Energie und Klimaschutz vor unserer Haustüre und dass heute bereits 100 Prozent des Strombedarfs Olchings vor Ort produziert wird – und zwar ausschließlich aus Sonnen-, Wasserkraft und Kraftwärmekopplung. 

Ich denke an Projekte der Inklusion – an die Special Olympics, an die Host-Town-Erlebnisse, an Menschen, die mit Engagement Brücken gebaut haben, wo andere nur Unterschiede sehen.

Ich denke an über 100 neu gebaute, bezahlbare Mietwohnungen, städtisch, genossenschaftlich und privatwirtschaftlich.

Und ich denke an die deutlich gestiegene Wirtschaftskraft, die wir gemeinsam u.a. auch durch den Gewerbepark Geiselbullach aufgebaut haben: 
an erfolgreiche Unternehmen, an Handwerk, an Familienbetriebe, an gute Arbeits- und Ausbildungsplätze, an Gewerbesteuereinnahmen – nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage dafür, dass wir uns als Stadt überhaupt leisten können, was wir leisten wollen: gute Betreuung und Bildung, lebendiges Vereinsleben, kulturelle Vielfalt, Sicherheit und moderne Infrastruktur.

Ich bin mehr denn je überzeugt:
Erfolgreiche Wirtschaftspolitik ist letztlich erfolgreiche Sozialpolitik, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich möchte heute Abend aber bewusst auch ein paar Menschen nennen – nicht, um andere zu vergessen, sondern weil ihre Namen Erinnerung sind. Und Erinnerung ist Wertschätzung.

Ich erinnere an die vielen, die wir in den letzten Jahren ziehen lassen mussten – Menschen, die unsere Stadt geprägt haben, wie Altbürgermeister, Ehrenbürger, Engagierte in Vereinen und Institutionen. Ich erinnere an die Altbürgermeister Manfred Krug, Franz Haidacher, Siegfried Waibel und Franz Huber – stellvertretend für viele andere engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Heute denke ich aber auch an die Vielen, die in den Ehrungen der Jahre vorkamen: an Menschen, die sich um Kultur, um Soziales, um Sport, um Geflüchtete, um Nachbarschaft, um Inklusion, um Sicherheit verdient gemacht haben.

Ich denke an die ehrenamtlichen Frauen und Männer in unseren Feuerwehren und bei den Rettungsdiensten – und ich sage das mit meinem tiefen Respekt: Wer einmal nachts bei Sturm und Unwetter, bei Unfall und Brand an vorderster Front war, wer einmal gesehen hat, wie besonnen und professionell dort gearbeitet wird, der weiß, was „Dienst am Nächsten“ wirklich bedeutet.

Ich denke an die Polizei und unsere Sicherheitswacht, die Präsenz zeigt, Konflikte entschärft, Sicherheit garantiert – oft in Situationen, in denen Respekt leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Ich denke an unsere Schulen, an die Schulleitungen und Lehrkräfte – und an die Kitas, an Erzieherinnen und Erzieher, Pflegerinnen und Pfleger die in Zeiten von Fachkräftemangel jeden Tag den Spagat schaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Und ich denke an unsere Verwaltung – an Kolleginnen und Kollegen, die oft nur dann wahrgenommen werden, wenn etwas nicht läuft. Aber die tagtäglich dafür sorgen, dass diese Stadt funktioniert. Die Dinge möglich machen. Und manchmal auch erklären müssen, warum etwas nicht geht – was, wie wir wissen, nicht immer die dankbarste Aufgabe ist. 
Danke dafür!

Und ich sage danke an den Stadtrat – für leidenschaftliche Debatten, für gute Entscheidungen, für große Verantwortung, für das gemeinsame Tragen von Lasten, die man von außen oft unterschätzt.

Lassen Sie mich zu Abschluss noch nach vorne blicken – keine Sorge, lieber Herr Landrat, keine Vorstellung meines Wahlprogramms.

Es freut mich sehr, dass es uns nun doch gelingen wird, die Grundschule Olching zu einer vollwertigen offenen Ganztagsschule umzubauen – nach dem Vorbild Graßlfings.

Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Geiselbullach. Gewöhnen Sie sich an diesen wohlklingenden Vier-Klang:
Die Wellness-Oase Vabali Spa im Gewerbepark Geiselbullach wird ein Leuchtturmprojekt, das weit über Olching hinauswirken wird. Ein Projekt, das viele Arbeitsplätze schafft, Wertschöpfung bringt, und vor allem zeigt: Olching traut sich etwas zu und hat eine Menge zu bieten.
Nicht vergessen möchte ich die geplanten Rechenzentren mit einem privaten Investitionsvolumen von bis zu einer Milliarde Euro. Das ist nicht nur eine Zahl, das ist ein Statement: Wir können Teil der Zukunftsökonomie werden, nicht so Gott will, sondern die Bayernwerke.

Und zugleich bleibt eine Aufgabe, die wie kaum eine andere für die Zukunft unserer Innenstadt steht – und die ich heute Abend nicht verschweigen will, weil sie zu meiner Amtszeit gehört, aber unerledigt bleibt. Das Bahnhofsareal an der Paulusgrube.

Wir haben dort die einmalige Chance, das Herz unserer Stadt weiter zu entwickeln. Eine Symbiose aus Mobilitätsdrehscheibe, Handel, Gastronomie, öffentliche Einrichtungen, Wohnen und Grünflächen.

Eine hervorragende, abgewogene Planung liegt vor. Jahrelange Arbeit steckt darin. Doch die Umsetzung steht noch aus – trotz intensiver Bemühungen!

Ich bedaure sehr, dass wir diesen Prozess nicht zum Abschluss bringen konnten. Nicht, weil ich unbedingt persönlich „einen Haken“ setzen wollte. Sondern weil ich überzeugt bin: Es wird Zeit. Es wird höchste Zeit, dass der Bahnhof – dieser Schandfleck, wie manche ihn zurecht auch nennen – durch moderne Architektur ersetzt wird. Es wird Zeit, dass dieses Areal zu einem attraktiven, vielseitigen Ort wird, eine echte Adresse, und vor allem auch Teil einer lebendigen Innenstadt.

Ich wünsche meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger dafür schon heute ein gutes Händchen, Beharrlichkeit – und auch die nötige Portion Sturheit.

Apropos Nachfolgerin oder Nachfolger. Ihnen, liebe Wählerinnen und Wähler, kommt eine große Verantwortung zu: Wem vertrauen Sie die zukünftigen Geschicke der Stadt an? Am 8. März 2026 sind Kommunalwahlen. Sie entscheiden, wer die Zukunft Olchings und des Landkreises gestaltet. Sie haben die Wahl!
Nutzen Sie bitte Ihr Wahlrecht und machen Sie auch im Freundes- und Bekanntenkreis Werbung! Jede Stimme zählt. Jede Stimme ist wichtig. Demokratie lebt vom Mitmachen.

Und dann, dann ist es für mich soweit.
In wenigen Wochen, am 30. April 2026 endet mein Dienst für meine Heimatstadt. Sich für seine Heimatstadt engagieren zu dürfen ist ein großes Privileg. So habe ich es zumindest stets empfunden.
Es war mir die größte Ehre und eine unbeschreibliche Freude, die Geschicke dieser wunderbaren Stadt mit lenken zu dürfen.

Ja, der kleine Junge, der anlässlich eines Besuchs bei einem Ehejubiläum seiner Großeltern sehr nachhaltend eingefordert hatte, dass ich mit ihm zusammen mit seiner nagelneuen Lego-Eisenbahn spielte, ja, der kleine Junge hatte völlig recht als er lächelnd zu mir sagte: „Bürgermeister spielen muss fast so viel Spaß machen wie Eisenbahn spielen.“

Aber im Ernst, natürlich war nicht jeder Tag leicht. Natürlich gab es Entscheidungen, die weh getan haben. Natürlich gab es Konflikte. Und natürlich habe ich auch Fehler gemacht.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, aber den Zuspruch und das Vertrauen, welches ich über all die Jahre gespürt habe, haben mich tief berührt und waren mir stets Ansporn und Verpflichtung.

Und erlauben Sie mir diese Bemerkung zum Abschluss: 
Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben!

Danke für 18 unvergessliche; intensive und erfüllende Jahre!

„Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir", schrieb Goethe.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes, friedliches und zuversichtliches neues Jahr.