Das „Bockerl“ tuckerte zum Bahnhof
Von 1894 bis zu seiner Schließung im Jahr 1970 nahm das sogenannte Untere Werk der München-Dachauer Papierfabriken nicht nur räumlich einen großen Platz im damaligen „Neu-Olching“ ein.
In der zweiten Holzschleiffabrik waren vor dem ersten Weltkrieg über 100 Arbeiter beschäftigt, auf dem Werksgelände, das sich vom Mühlbach - respektive Amperkanal - bis zur heutigen Feursstraße erstreckte, stapelten sich große Mengen an Rundhölzern. Zunächst mit Hilfe von Pferdefuhrwerken, dann von 1912 bis 1922 mit dem kleinen Dampfboot „Olching“ auf dem Mühlbach wurden Waren und Rohstoffe zwischen dem Oberen und Unteren Werk transportiert.
In den 1920er Jahren wurde eine kleine 35-PS starke Diesel-Fabrik-Lok für die Untere Fabrik angeschafft, die bis zu drei mit Rundhölzern und verkaufsfertigen Papierwaren beladene Wägen zum Güterbahnhof Olching ziehen konnte. Man hatte ein separaten Gleis angelegt, das in einem großen Bogen über die Feursstraße hinweg parallel zur Eisenbahnlinie zur fabrikeigenen Verladestelle führte. Gebaut 1916, in Frankreich im Kriegsgebiet eingesetzt, kam das Gefährt nach dem Arbeitseinsatz in der großen Hausmüllverwertung in Puchheim schließlich nach Olching. Gefahren wurde das bald liebevoll genannte „Bockerl“ von 1928 bis 1957 von Stephan Scherer.
1962 hatte die Lok, die ab 1935 mit Holzgas betrieben wurde, ausgedient und wurde durch Lastkraftwagen ersetzt. Bei der Schließung der Fabrik 1970 wurde das „Bockerl“ auf dem Firmengelände entdeckt, kam 1974 in den Besitz des Eisenbahnclubs München und ist heute im privaten Bayerischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen unter dem Namen „Olching“ zu bewundern.




